Was es über mich zu erzählen gibt

Bevor ich begann Geschichten zu erzählen, habe ich sie mir erzählen lassen. In jeder Form. Zu jeder Gelegenheit. Von meinen Eltern, von unserer Nachbarin Tante Paula und von Bauer Lülff, bei dem ich gerne im Heu gespielt habe. Das waren erlebte Geschichten, Anekdoten, Familiengeheimnisse und Begebenheiten aus der Zeit des zweiten Weltkriegs.

In der Grundschule war es Herr Völker, unser Heimatkundelehrer. Er kannte die Sagen und Legenden meines Heimatortes Laer und hat uns davon erzählt, wenn wir unsere Aufgaben erledigt hatten. Wenn wir schnell damit fertig waren, sogar „Das Geisterschiff“ von Hauff.

In meiner Jugend saß ich zusammen mit anderen an den abendlichen Feuern unserer Sommerlager und lauschte den Reiseberichten, den modernen Mythen (erinnern Sie sich noch an die Spinne in der Yuccapalme?) und ausgeschmückten Abenteuern der älteren Leiter*innen.

Viel, viel später saß ich als Passagier auf der Brücke eines Containerschiffes und habe dem ersten Offizier zugehört. Er hat mir einen Abend lang Geschichten aus seiner philippinischen Heimat erzählt: Von Monstern, Riesenschlangen und unglaublichen Entdeckungen. Jede einzelne war genau so passiert und daran habe ich bis heute nicht den geringsten Zweifel.

All diese Menschen haben mich inspiriert, selbst zu erzählen. Ich erzähle eigene Geschichten und solche, die mir erzählt wurden. Das sind Märchen, Sagen und Mythen, aber auch biografische oder zeitgenössische Geschichten. Manchmal wandele ich literarische Vorlagen in lebendige Erzählungen um. Ich erzähle für Kinder und Erwachsene, mag düstere Themen genauso wie fröhlich versponnene.

Aber noch immer gilt: Ich höre auch heute gerne zu. Wenn wir uns also einmal begegnen sollten, bin ich ganz Ohr.